Allgemein

Ist es okay zu lügen?

20. Februar 2019
Ist es okay zu lügen - die Metapher mit der Wassermelone

Seien wir mal ehrlich, wer von uns hat noch nie gelogen? Richtig! Sicherlich fällt uns allen innerhalb kürzester Zeit mindestens eine Lüge ein. Ob es eine spontane Notlüge war, eine lang geplante und sehr verstrickte Lüge oder nur ein kleines Verwischen der Wahrheit. Aber ist es okay zu lügen?

Doch wieso lügen wir Menschen? Wieso sagen wir nicht die Wahrheit? Belastet uns so eine Lüge nicht ungemein? Wäre der Weg der Wahrheit vielleicht langfristig der klügere gewesen? Die Antwort dadrauf kennt man meist erst nach Aussprechen der Lüge.

Ich will euch von meinen Lügen erzählen und vielleicht erkennen wir gemeinsam den Grund, die Folge und die Antwort, ob diese Lüge okay war.

Lügen haben kurze Beine.

Meine beste Freundin und ich fuhren immer gemeinsam mit dem Fahrrad zur Schule. Natürlich mit Fahrradhelm. Mit circa 12 Jahren fing es jedoch an, uns zu stören. Wir wollten nicht mehr zu den „Kindern“ gehören, die einen Helm trugen, fühlten uns jung und hässlich. Also nahmen wir ihn natürlich einfach ab, hinter der nächsten Straßenkreuzung. Vermeintlich vorsichtig fuhren wir dann zur Schule, den Helm baumelnd am Lenker.

Doch dort angekommen wurde es nicht besser, wir verstauten ihn heimlich in großen Taschen oder bunden ihn mit ans Fahrrad. Auf dem Weg nachhause, kurz vorm Elternhaus, dann schnell wieder aufsetzen, sodass uns ja niemand erwischt. War dies bereits eine Lüge? Unsere Eltern dachten ja, wir würden den Helm beim Fahren tragen. Kann man so etwas bereits als Lüge bezeichnen? Wir haben unseren Eltern schließlich nicht ins Gesicht gelogen, da sie uns zu dem Moment auch nicht gefragt hatten, ob wir den Helm denn auch wirklich die ganze Fahrt tragen würden. Aber dennoch lebten wir mit einer Lüge und mit der Gefahr erwischt zu werden.

Lügen kann mehr sein, als jemandem eine Unwahrheit ins Gesicht zu sagen.

Unsere Eltern gingen von einer Tatsache, einer Absprache aus, an die wir uns nicht hielten. Nach mehreren Wochen, Monate, ich weiß es nicht mehr, wollten wir aufhören mit dem Verstecken und einfach unbekümmert ohne Helm losfahren.

Nein, dies hier ist natürlich kein Beitrag dadrüber, dass man keinen Fahrradhelm tragen sollte. Inzwischen sind wir absolut der gleichen Ansicht wie unsere Eltern, das er ein wichtiger Schutz im Straßenverkehr ist. Mit 12 sieht man das jedoch noch ganz anders…

Auf jeden Fall schmiedeten meine beste Freundin und ich gemeinsam einen Plan, wie wir die Last des Helms und unserer Lüge ein Ende setzen wollten. Unsere Eltern waren seit wir Babys waren gut befreundet. Schon damals war unsere Erziehung gegenseitig geprägt, weil wir quasi rund um die Uhr zusammen waren und so unsere Eltern uns zusammen groß gezogen haben. Hier hätten zwar schon unsere Arlamglocken klingeln müssen, aber mitten in der Pubertät waren wir dafür zu naiv. Wir fanden den Plan bombensicher und er hat auch funktioniert, kurzzeitig…

Unsere erste gemeinsame Lüge

Meine beste Freundin erzählte ihren Eltern, dass meine Eltern mir das Fahren ohne Helm erlaubt hätten und das sie jetzt ja doch auch ohne fahren wollte. Na? Und was meint ihr, was ich getan habe? Richtig, ich erzählte meinen Eltern, dass meine beste Freundin ohne Helm fährt und ich das auch will. Tatsächlich erlaubten unsere Eltern dies, nachdem sie uns erneut die Verkehrssituation aufgezeigt haben und dann jedoch sagten, es sei unsere Entscheidung. Wir freuten uns über unserern Erfolg und fuhren die nächsten Tage stolz und vermeintlich frei ohne Helm zur Schule.

Doch wir hatten etwas ganz wesentliches vergessen: Unserer Eltern reden auch mal miteinander! So kam es also an einem Wochenende dazu, dass die Familie meiner Freundin bei meinen Eltern zum Grillen eingeladen war. Und wie sollte es anders kommen, als dass sie sich natürlich über die letzten Ereignisse ihrer Töchter unterhielten. Und so kam raus, das kein Elternteil zuerst die Erlaubnis abgelegt hat, ohne Helm zu fahren und sie sich von uns haben täuschen lassen, weil sie uns vertraut haben.

Die Wahrheit über Lügen

Und das meine Lieben, ist der traurigste Punkt an einer Lüge: das missbrauchte Vertrauen. Denn eine Lüge funktioniert nur, wenn dein Gegenüber dir Vertrauen schenkt und deinen Worten glaubt. Was wir in dem Moment dem Menschen antun merken wir meist gar nicht. Hierbei ist es auch egal, ob es eine Notlüge ist oder ein ausgeschmiedeter Plan, wir schwindeln ihnen etwas vor, meist nur zu unserem eigenen Vorteil. Und was erhoffen wir uns davon? Ja, wir haben einen Grund, wie wir, dass wir endlich ohne Fahrradhelm fahren wollten.

Doch wir verlieren etwas ganz anderes: Unseren Anstand und das Vertrauen wichtiger Menschen. Denn seien wir mal ehrlich, wie selten ist es, dass eine Lüge wirklich verborgen bleibt? Und selbst wenn dem so ist, wir erinnern uns immer mal wieder dadran und macht uns dies dann langfristig glücklich? Sicherlich nicht. Denn das kurzfristige Ziel, welches wir vielleicht durch die Lüge erreicht haben, ändert nichts an dem verlogenen Weg, der uns dorthin geführt hat. Das Risiko besteht jederzeit, dass wir liebe Menschen verletzten und sie verlieren. Und dann stehen wir alleine da und fragen uns ob es okay ist wenige Freunde zu haben.

Jede Lüge hat ihre Folgen

Letzendlich erhielten wir natürlich beide von unseren Eltern eine Standpauke und mussten wieder mit dem Helm fahren, doch schlimmer war die Zeit danach. Wir schämten uns, unserer Eltern gegeneinander ausgespielt zu haben. Wir wussten, einen Fehler gemacht zu haben und hätten einfach offen über unser Anliegen sprechen sollen. Denn nichts ist jemals so schlimm, dass man nicht drüber sprechen kann. Und ihr werdet sehen, es wird euch besser damit gehen.

Vielleicht ist es im ersten Moment eine Katastrophe und ihr hättet lieber hunderte Notlügen zusammengereiht. Aber wenn ihr euch von etwas befreien wollt, dann seid ehrlich, steht zu euren Meinungen und Taten und findet den richtigen Weg zu eurem Ziel, ohne auf das Vertrauen anderer Menschen zu pokern. Also was sagt ihr? Ist es okay zu lügen?

Die Metapher mit der Melone

Wollt ihr jetzt noch wissen, wie ich nach einiger Zeit doch noch selbst entscheiden durfte, ob ich mit Helm fahre oder nicht? Ich hatte ein Gespräch mit meinem Vater und erzählte ihm, wie ich mich mit dem Fahrradhelm fühlte. Und was machte er? Wortlos nahm er eine Wassermelone, ging mit mir in den Garten und warf die Melone mit voller Wucht gegen die Hauswand. Sie zerschmetterte in viele einzelne Stücke und das Fruchtfleisch tropfte von der Wand herunter. Ich schaute ihn erschrocken an und er sagte: „Das passiert mit deinem Kopf, wenn du ohne Helm vom Fahrad fällst, ist das für dich okay?“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.